NÖRDLINGEN
Nördlingen ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Donau-Ries und ehemalige Freie Reichsstadt. Die Einwohnerzahl liegt bei ca. 20.000. Nördlingen liegt im berühmten Nördlinger Ries, dem Einschlagskrater eines Meteoriten, der vor 15 Millionen Jahren in die Alb eingeschlagen ist. Der Krater hat einen Durchmesser von 23 km, und
ist ringsum als Hügelkette sichtbar.

Geschichte
Funde in den Ofnethöhlen belegen, dass das heutige Ortsgebiet von Nördlingen bereits im Mittelpaläolithikum besiedelt war.
Bereits um das Jahr 85 n. Chr. entstand hier ein römisches Kastell mit Siedlung (vicus), die jedoch im Jahre 259/260 bei der Eroberung des heutigen Süddeutschlands durch die Alamannen unterging. Der Name dieser Siedlung lautete wahrscheinlich Septemiacum. Dieser lateinische Ortsname ist durch die Peutingertafel (Tabula Peutingeriana) für die Gegend von Nördlingen zuverlässig überliefert, er kann aber bisher nicht ganz sicher der römischen Siedlung im heutigen Nördlingen zugeordnet werden. Das römische Nördlingen ist bislang generell kaum erforscht.
Im 6. und 7. Jahrhundert lässt sich eine alemannische Besiedlung nachweisen.
"Nordilinga" wurde im Jahr 898 zum ersten Mal urkundlich als karolingischer Königshof erwähnt.
1215 erhielt Nördlingen von Kaiser Friedrich II. Markt- und Stadtrechte und wurde freie Reichsstadt. In jenem Jahr wurde die erste Stadtmauer errichtet, deren Grundriss bis heute sichtbar ist. 1219 wurde die Nördlinger Pfingstmesse das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Stadt, an der Kreuzung zweier großer Handelsstraßen gelegen, stieg zum wichtigen Handelsplatz für Getreide, Vieh, Textilien, Pelze und Metallwaren auf. Neben Frankfurt war Nördlingen eine der wichtigsten Fernhandelsmessen Deutschlands.
1238 zerstörte ein Brand einen großen Teil der Stadt, von dem sich die Stadt jedoch rasch erholte. Drei Generationen später hatten sich auch außerhalb der Stadtmauern eine große Zahl von Handwerkern, vor allem Gerber und Weber, angesiedelt. 1327 wurde der heute noch bestehende Mauerring gebaut, mit dem die ummauerte Stadtfläche auf das Vierfache anwuchs. 1427 begann der Bau der St.-Georgs-Kirche.
Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. 1555 wurde die Reformation in Nördlingen endgültigt bestätigt.
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Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
St.-Georgs-Kirche
Das Wahrzeichen Nördlingens ist der ca. 90 m hohe Kirchturm der 1427–1505 erbauten gotischen St.-Georgs-Kirche, der Daniel genannt wird. Dieser Name geht auf die biblische Figur Daniel zurück, über die im Buch Daniel 2,48 geschrieben steht: Und der König erhöhte Daniel und (...) machte ihn zum Fürsten über das ganze Land.
Der Turm der St.-Georgs-Kirche ist ständig von einem Türmer besetzt, ein Beruf, den es in Europa heute nur noch in zwei weiteren Städten (Münster und Krakau) gibt. Der Türmer von Nördlingen ruft von 22 bis 24 Uhr halbstündlich vom Turm den Spruch So G'sell So!, der seinen Ursprung in einer Legende hat:
1440 versuchte Graf Hans von Wallerstein aufgrund finanzieller Probleme, Nördlingen zu erobern. Um unbemerkt in die Stadt gelangen zu können, bestach er einen Torwächter, damit dieser das Tor nicht abschloss. Als eine Webersfrau in der Nacht nach draußen ging, um in einer Wirtschaft Bier zu holen, entdeckte sie das offene Tor, da sich gerade ein entflohenes Schwein daran rieb. Daraufhin sagte sie die Worte So G'sell So!, die als eine Art Drohung gegen den verräterischen Torwächter zu verstehen sind.

St.-Salvator-Kirche
Sehenswert ist auch die St.-Salvator-Kirche am südwestlichen Rand der Innenstadt. Anlass für den Bau der Kirche war das „Hostienwunder“ im Jahr 1381, bei dem nach einem Deckeneinsturz im Hause eines Sterbenskranken ein Stück einer geweihten Hostie unauffindbar blieb. Man verbrannte die Trümmer, und aus der Asche soll die vermisste Hostie unversehrt wieder aufgefunden worden sein. Das ehemalige Herrgottskloster dient seit 1825 als katholische Pfarrkirche. Seit 2001 wird die Kirche generalsaniert. Der Abschluss der Arbeiten ist für 2009 vorgesehen; die Gesamtkosten sind mit 2,43 Millionen € veranschlagt. Drei der zu erneuernden neun Chorfenster wurden für eine künstlerische Gestaltung bei Professor Johannes Schreiter in Auftrag gegeben; die Kosten wurden durch eine Spendenaktion aufgebracht. Diese Fenster wurden am 10. Dezember 2006 eingeweiht.

Marktplatz
Gleich nördlich der St. Georgs-Kirche liegt der Marktplatz, auf dem sich im Mittelalter alljährlich 10 Tage lang das Messepublikum tummelte. Die Tuchhändler präsentierten ihre Ware im 1442-1444 entstandenen Brot- und Tanzhaus, dessen Obergeschoss als Festsaal diente. Mit ihm durch eine Brücke verbunden war zu Messezeiten das 1363 erbaute Fachwerkhaus Metzig, das an normalen Tagen die Verkaufsstände der Metzger beherbergte und zu Messezeiten als Erweiterung der Verkaufsfläche diente. Nördlich daran schließt sich das bereits 1304 urkundlich erwähnte Hohe Haus an.
Das Gasthaus zur Sonne auf der gegenüber liegenden Seite wurde 1350 erbaut und seit 1405 als Fürstenherberge genutzt. Um 1500 logierten dort die Kaiser Friedrich III. und Maximilian I., 1548 Karl V. 1788 war Johann Wolfgang von Goethe zu Gast, und 1970 nahmen die amerikanischen Astronauten des
Apollo-Mondfahrtprogramms Quartier.
Nördlich anschließend liegt das Rathaus. Wie die St.-Georgs-Kirche und viele andere Stadthäuser ist es aus dem porösen Suevitstein des Nördlinger Rieses erbaut. Bereits 1313 ist es in einer Verkaufsurkunde belegt; in jener Zeit wurde es als Messekaufhaus genutzt. 1382 mietete die Stadt das Gebäude an und nutzt es seitdem ununterbrochen als Rathaus. Um 1500 wurde das Obergeschoss mit seinem Treppengiebel und dem Giebelerker auf das Gebäude gesetzt, 1509 wurde der Schatzturm und 1618 der repräsentative Renaissance-Treppenaufgang angebaut. Innen im großen Versammlungssal, in dem sich im 16. Jahrhundert die Abgeordneten des Schwäbischen Bundes trafen, befindet sich ein großes, wertvolles Wandfresko von Hans Schäufelin.

Altstadt
Die gesamte Nördlinger Altstadt beherbergt eine Fülle von liebevoll renovierten, prachtvollen Häusern aus dem Mittelalter und der Renaissance.
Wenige Schritte nordwestlich des Marktplatzes gelangt man über die Eisengasse zum Tändelmarkt und dem damit verbundenen Hafenmarkt. In der Eisengasse, die nach den früher dort niedergelassenen Eisenhändlern benannt ist, ist unter anderem das 1563 errichtete Schneidtsche Haus bemerkenswert. Im Dreißigjährigen Krieg diente es Gustav II. Adolf im September 1632 für zwei Tage als Unterkunft. Am Hafenmarkt befindet sich das Kaisheimer Haus, von 1278 bis 1802 Kastenhaus des Reichsstifts Kaisheim. An der Nordwestecke des Tändelmarkts fällt das große Klösterle ins Auge, ein ehemaliges Franziskanerkloster. Im Zuge der Reformation verwaiste das Kloster mehr und mehr. Die Stadt kaufte 1536 den Bau und ließ ihn 1584 - 1587 zu einem Kornspeicher umbauen. Der Chor wurde abgerissen und durch den heutigen großzügig angelegten Treppengiebel ersetzt.
Das westlich daran anschließende Gerberviertel beherbergt etliche der typischen Gerberhäuser mit ihrem Fachwerk und ihren großen, nach vorne kragenden Trockenböden und Galerien in den Obergeschossen. Den großen Wasserbedarf der Gerber deckte der Egerkanal, der das Viertel durchläuft. Bei der Brücke am nördlichen Ende des Viertels befindet sich das große, unterschlächtige Wasserrad der Neumühle.
Das 1233 gegründete Spital diente früher als Versorgungsstätte alter und armer Menschen. Wie viele ähnliche Einrichtungen jener Zeit wurde es durch Stiftungen finanziert und ausgebaut. Die kleine Spitalkirche aus dem 13. Jahrhundert beherbergt wertvolle Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Heute befindet sich in seinen beiden Hauptgebäuden aus dem 15. und 16. Jahrhundert das Stadtmuseum.
Im südlichen Bereich der Altstadt ist das 1697 erbaute Wintersche Haus bemerkenswert. Der große, wohl proportionierte Fachwerkbau birgt an seiner Rückseite einen stilvollen Garten mit Blumengalerien im 1. und 2. Stock. Am Weinmarkt befinden sich eine Reihe repräsentativer Bürgerhäuser und das große, massiv wirkende, 1541–1543 erbaute Hallgebäude. Es diente einst als Salz- und Weinlager der Stadt.

Stadtmauer
Die komplett erhaltene Stadtmauer von 1327 hat fünf Tore mit Tortürmen, elf weitere Türme und zwei Bastionen. Auch der Wehrgang ist vollständig erhalten und kann begangen werden.
Das größte Stadttor ist das Berger Tor im Süden. Im Uhrzeigersinn folgen das Baldinger Tor im Westen, das Löpsinger Tor, das auch das Stadtmauermuseum beherbergt, im Norden, das Deininger Tor im Nordosten und das Reimlinger Tor im Osten.
Die Türme sind im Uhrzeigersinn Feilturm, Löwenturm, Oberer Wasserturm, Backofentürme (5), Spitzturm, Unterer Wasserturm und Reißturm. Die Alte Bastei, die in zwei Geschossen zehn Geschütze aufnehmen kann, ist vollständig erhalten. Die Neue Bastei hingegen wurde 1808–1826 abgebrochen.
Entlang der Mauerinnenseite erstrecken sich die Kasarmen, direkt an die Stadtmauer gebaute Häuser, in denen einst die Stadtsoldaten wohnten. Der Grabenbereich außerhalb der Mauer ist weitgehend erhalten und teilweise als Park gestaltet.

Museen
Das Rieskrater-Museum bietet interessantes Anschauungsmaterial über die geologische Entwicklung der Umgebung und eine Simulation des Ries-Impakts vor etwa 15 Millionen Jahren, bei dem das Nördlinger Ries entstand. Außerdem kann dort echtes Mondgestein besichtigt werden, das die Stadt Nördlingen als Dauerleihgabe von der NASA erhielt. Diese trainierte 1970 die Astronauten der Missionen Apollo 14 und Apollo 17 im Ries. In Steinbrüchen im Ries kann Suevit-Gestein gefunden werden, das den Gesteinen auf der Mondoberfläche ähnlich ist. Es entsteht unter extremen Druck- und Temperaturverhältnissen, wie sie nur bei Meteoriteneinschlägen vorkommen. Das Stadtmuseum Nördlingen gibt Einblick in die Geschichte der Reichsstadt Nördlingen und die Siedlungsgeschichte des Nördlinger Rieses. Es beherbergt Tafelgemälde von Friedrich Herlin, Hans Schäufelin und Sebastian Taig. Auch die Schädelfunde aus den Ofnethöhlen sind dort zu sehen. Das Stadtmauermuseum in den sechs Stockwerken des Löpsinger Torturmes dokumentiert die Geschichte der Nördlinger Stadtmauer. Hier sind ein Zinnfigurenmodell der Schlacht bei Nördlingen und ein Modell der gesamten Altstadt zu sehen. Das Bayerische Eisenbahnmuseum beherbergt mehr als hundert Originalfahrzeuge, darunter die älteste betriebsfähige Regelspur-Dampflokomotive. Das Museum augenblick – Museum für optische und akustische Attraktionen zeigt Exponate aus den Anfängen des Medienzeitalters: Guckkästen, Panoramen, Laterna magica, Drehorgeln, automatische Klaviere, Spieldosen und Grammophone.

Theater
Die Freilichtbühne Alte Bastei in einer mittelalterlichen Bastion ist jeden Sommer Schauplatz für historische und zeitgenössische Aufführungen der Laienspielgruppe Verein Alt Nördlingen. Ein unabhängiges und regional renommiertes Theaterprojekt ist das Dramatische Ensemble Nördlingen. Während der Wintersaison treten regelmäßig Tourneetheater im Stadtsaal Klösterle auf. Kleinkunstveranstaltungen finden im Kulturzentrum Ochsenzwinger statt.

Musik
Die 1924 gegründete Knabenkapelle Nördlingen gehört zu den namhaften Jugendblasorchestern in Süddeutschland. Die jungen Musiker sind weltweit auf Tournee und gestalten regelmäßig Fußballländerspiele und Staatsbesuche musikalisch. Die Stadtkapelle wurde 1990 gegründet. Die Rieser Musikschule bietet musikalische Früherziehung und Instrumentalunterricht an. Zahlreiche Chöre (u. a. Kantorei St. Georg), Klassik- und Jazzensembles sind als Vereine in Nördlingen eingetragen. Bekannte Kammermusikensembles treten bei der winterlichen Konzertreihe der Raiffeisen-Volksbank Ries auf. Die Nördlinger Kneiptour, während deren eine Vielzahl von Rock-, Pop- und Jazzbands gleichzeitig in Nördlinger Kneipen auftritt, findet seit 1996 jedes Frühjahr statt.

Veranstaltungen
- Im dreijährigen Turnus kann man in Nördlingen das Historische Stadtmauerfest der ehemals Freien Reichsstadt besuchen. Neben alter Handwerkskunst sind Ritter- und Reiterspiele des Mittelalters zu sehen.
- Das sog. "Stabenfest", das den Frühling begrüßen soll, wird jedes Jahr mit einem Umzug, bei dem alle Nördlinger Schulkinder, die sich mit den Stadtfahnen, Blumen und Birkenzweigen geschmückt haben abgehalten. Es findet immer am 1. Montag nach dem Muttertag statt.
- Ab dem zweiten Samstag nach Pfingsten beginnt jedes Jahr die
Nördlinger Messe mit einem Festumzug. Sie dauert zehn Tage und beinhaltet eine Verbrauchermesse und einen Vergnügungspark.
- Am Freitag vor dem 1. Advent beginnt der Weihnachtsmarkt, der täglich geöffnet hat.
- Im Sommer findet im Rahmen eines internationalen Reitturniers das Nördlinger Scharlachrennen statt. Unter Scharlachrennen verstand man im Mittelalter Pferde-Flachrennen, für die als erster und wertvollster Preis ein scharlachfarbenes Tuch ausgesetzt war, aus dem der Gewinner, der farbenfrohen Mode der damaligen Zeit folgend, ein Kleid fertigen lassen konnte. Der moderne Nördlinger Austragungsmodus ist weltweit einmalig. Er beinhaltet Dressur, Springen, Jagdpferdeprüfung hinter der Meute und ein abschließendes Flachrennen, das unter den besten Bewerbern ausgetragen wird. Von 1438 bis zum Bauernkrieg fanden in Nördlingen Scharlachrennen regelmäßig statt. Im Jahre 1948 wurde es vom späteren Fürsten Carl Friedrich in etwas veränderter Form wieder ins Leben gerufen.
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